Rasenflächen richtig vertikutieren

20.03.2018 15:53

Die meist gewählte Pflanze oder viel mehr Pflanzenart für die Verwendung auf großen Flächen ist der Zierrasen. Viele kennen den Begriff „Englischer Rasen“ und meinen damit den perfekt flach gemähten und schädlingsfreien Rasen, der in saftigen Farben strahlt. So eine Qualität des Rasens erhält man jedoch eben nur, wenn man so viel gärtnerische Zeit in ihn steckt, wie in weiten Teilen Englands es heute noch der Fall ist. Der Garten und die Gestaltung mit Pflanzen spielt dort immer noch eine andere Rolle als in Deutschland.

Mit nur wenigen Kniffen kann fast jede Rasenfläche zu einer schönen durchgängigen Fläche werden, die man im Gegensatz zu vielen englischen Rasenflächen dann auch betreten darf. Wir werden das Vertikutieren vorstellen, den optimalen Zeitpunkt definieren und einige Gründe nennen die für diesen Arbeitsschritt sprechen.

Der Rasen

Rasen setzt sich zumeist aus mehreren Gras-Arten, wie zum Beispiel dem Wiesen-Rispengras (Poa pratensis) oder dem gewöhnlichen Rot-Schwingel (Festuca rubra), zusammen. Es bildet sich eine Pflanzengemeinschaft, die durch stetiges Beschneiden in ihrer Wuchshöhe begrenzt wird und somit in die Breite wächst und feinere Halme bildet. Wir nennen diese Gemeinschaft aus grünen kurzen Gräsern Rasen. Die bereits vorgestellten Gras-Arten findet man in den allermeisten Rasensamen-Mischungen auf dem Markt. Wenige lesen die „Inhaltsangabe“ ihrer Samenmischung und noch weniger Menschen schlagen diese dann nach. Aus diesem Grund folgen nun einige generelle Informationen zur „Rasenpflanze“ und der Bodenqualität.

Rasen braucht Sonne, viel Sonne. Es gibt einige Graspflanzen, die weniger Sonne benötigen, um ihre Wuchsform und Gesundheit nicht zu verlieren. Doch ist der „Schattenrasen“ mehr ein Wunsch und Versprechen der Industrie, als eine bisher mögliche Lösung für extrem schattige Orte. Außerdem bedarf es den meisten Graspflanzen einer gleichmäßigen Wasserzufuhr und Durchlässigkeit des Bodens. An solchen unmöglichen Orten empfiehlt es sich über schöne Kiese nachzudenken, um nicht auf einem vermeintlich dreckigen Boden zu laufen.

Probleme mit Rasen

Viele kennen die vergilbten oder mit Moos durchwachsenen Rasenflächen hinter dem Haus oder in einer Hausnische. Dies sind Ergebnisse von entweder zu viel Sonne und zu wenig Wasser oder von zu wenig Sonne und zu viel Wasser. Die Wasserspeicherfähigkeit ist von Boden zu Boden unterschiedlich, sodass auch die Einflüsse der geographischen Gegebenheiten zu beachten sind. Wohnt man beispielsweise nah an einem Nadelwald, dann werden sicher häufigerer Befall von Moosen und Farnen zu vermerken sein, als auf dem Rasen im Reihenhaus-Wohngebiet. Abhängig vom ph-Wert des Bodens werden andere Pflanzen in die bestehende Rasenfläche eindringen wollen. Dies lässt sich oft mit einem Bodenschnell-Tester feststellen und Maßnahmen können in Betracht gezogen werden. Zu saure Böden kalkt man und bringt im besten Fall vor dem Aussähen frischen und nicht-sauren Boden auf. Zu kalkhaltige Böden sollten mit organischem Material beispielsweise Laub und Grünschnitt in größeren Mengen angereichert werden.

Warum Vertikutieren?

Zu wissen, warum der Rasen an einigen Stellen des Gartens nicht wächst ist praktisch. Das Wachstum zu stärken ist aber auf allen Rasenflächen nötig. Mit Hilfe des Vertikutierers werden Risse in die Oberfläche des Rasens geschnitten und so werden nicht nur lästige Eindringlinge entfernt. Ein weiterer Vorteil des Vertikutierens ist, dass man den Boden Aerifiziert, den Boden belüftet. Durch diese Risse gelangt nötiger Sauerstoff an die Wurzeln, der dort wiederum zu stärkerem Wurzelwachstum führt und eine gesunde Rasengemeinschaft auf der gesamten Fläche fördert. Außerdem kann ein offenporiger Boden, ein Boden mit vielen kleinen Löchern, das Wasser besser aufnehmen und speichern, als feste oder komplett sandige Böden. Zudem kommt die Verbesserung der Aufnahme von Dünger und anderen Nährstoffen nach dem Vertikutieren. Da mit jedem Vertikutieren ein Teil der Oberflächenwurzeln und Pflanzen entfernt wird, empfehlen wir die Rasenflächen nur einmal im Jahr zu vertikutieren.

Wann den Rasen vertikutieren?

Rasenflächen sollten nach den letzten Frösten vertikutiert werden. Um wirklich sicher zu gehen wartet man sicherheitshalber bis Ende März oder Anfang April, da dann meistens keine Extreme in den Tag- und Nachttemperaturen zu vermerken sind. Frost ist sehr schädlich für die frisch geschnittenen und aerifizierten Rasenpflanzen. Beim Vertikutieren des Rasens sollte man immer auf trockenen Rasen und eine trockene Umgebung achten. Außerdem empfehlenswert ist es in den Morgen- oder Abendstunden zu vertikutieren, weil die Mittagssonne die sensiblen Pflanzen sonst verbrennt.

Vertikutieren schrittweise vorbereiten

Bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht, sollten vorher alle nötigen Vorbereitungen erledigt werden. Der Rasen wurde im besten Fall bereits zwei bis dreimal gemäht und mit leichtem Dünger gestärkt. Zwischen dem Mähen braucht der Rasen Zeit sich zu regenerieren und die Nährstoffe zu verarbeiten. Daraus ergibt sich eine jeweils zweiwöchige Pause nach jeder Vorbereitungsphase. Jede Rasenfläche sollte vor dem Vertikutieren auf Flechten, Moose und andere flach wachsende „Unkräuter“ geprüft werden. Diese müssen händisch entfernt werden, da man durch das Anschneiden der Oberfläche teilweise zu schnellerem Wachstum der unbeliebten Eindringlinge beiträgt.

Was ist zu beachten beim Vertikutierer-Kauf?

Das Vertikutieren ist mit dem richtigen Werkzeug auch kein Problem mehr. Es gibt eine große Auswahl an Vertikutierern auf dem Markt; manuelle, motorgetriebene und selbstfahrende Maschinen, denen man nur noch die Richtung weisen muss. Mit Kanonen auf Spatzen zu schießen macht aus vielerlei Sicht keinen Sinn. Zum einen stören große, laute und oftmals Treibstoff schluckende Geräte die Ruhe vieler Anwohner, zum Anderen ist die körperliche Betätigung an der frischen Luft etwas, was bisher den Wenigsten geschadet hat. Natürlich ist es sehr anstrengend einen Rasen von Hand zu vertikutieren, deswegen lohnt es sich vor dem Kauf eines Geräts auf den eigenen Bedarf zu achten. Wie groß ist die zu bearbeitende Fläche? Wie oft wird das Gerät tatsächlich benutzt und wie viel Zeit hat man schlussendlich, um diese Arbeiten durchzuführen?

Das Vertikutieren

Erst nach ungefähr einem Monat Vorbereitung kann vertikutiert werden. Der Vorgang des Vertikutierens ist recht einfach. Man stellt den Vertikutierer auf eine geringe Eindringtiefe ein (ca. 3 mm) und geht einmal in einer Richtung über die trockene und auf 2 cm flach abgemähte Fläche. Lange nicht bearbeitete Rasenflächen muss man möglicherweise noch einmal quer zur ersten Laufrichtung vertikutieren. Danach kann gekalkt werden, es sollte aber auf jeden Fall ausreichend gewässert und aufbauender Dünger hinzugegeben werden. Stellt sich heraus, dass der April und Mai sehr trocken werden, empfiehlt es sich unbedingt zwischendurch zu gießen, da sich die Grasnarbe nur sehr langsam schließt. Erst nach Erledigung der Vorbereitungen ist im kommenden Sommer mit einem kräftig gesunden Ergebnis zu rechnen.

Mit diesem kurzen und informativen Beitrag hoffen wir von „1001 Plants“ euch die Arbeit und mögliche Unsicherheiten, was den Umgang mit Rasenflächen angeht zu erleichtern oder gar abzunehmen. Jetzt sollten mit diesen Tipps und Tricks eine strahlend grüne und kräftige Rasenfläche zur ersten Grillparty im neuen Jahr kein Problem mehr sein. Viel Spaß und Erfolg wünschen 1001 Plants.


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