Obstbäume richtig veredeln 05.06.2018 10:29

Beim Veredeln handelt es sich um eine Art der Vermehrung von verholzenden Pflanzen, wie zum Beispiel Obstgehölzen. Es werden hierbei Teile, meist dünnere Äste der Edelsorte, also der Obstsorte, die man vermehren möchte, auf eine sogenannte Unterlage übertragen. Die Unterlage bildet Wurzeln und Stamm des zukünftigen Obstbaumes. Diese beiden Veredelungspartner werden durch die verschiedenen Veredelungstechniken zum Zusammenwachsen gebracht.

Anders als oft angenommen ist das Veredeln kein Hexenwerk. Jeder kann es mit ein bisschen Übung und handwerklichem Geschick erlernen. Es bietet eine Fülle an Möglichkeiten und lädt zu spannenden Experimenten im eigenen Garten ein. In diesem Beitrag wollen wir die natürlichen Mechanismen erklären, die das Veredeln erst ermöglichen und die geläufigsten Veredelungsarten in Schritt-für-Schritt-Anleitungen anschaulich erklären.

Was steckt hinter dem Veredeln von Obstgehölzen?

Das Veredeln von Obstgehölzen ist eine uralte gärtnerische Technik mit langer Tradition, bei der ein Trieb oder Auge der gewünschten Obstsorte, der sogenannte Edelreiser bzw. Okulat, auf eine Unterlage, meist ein Sämling, übertragen wird. Am einfachsten ist diese Vermehrungsart mit dem Klonen zu vergleichen, denn das Erbgut des Edelreisers ist mit dem der Mutterpflanze identisch. Edelreiser und Unterlage müssen miteinander verwandt sein, um ein erfolgreiches Anwachsen der Veredelungspartner zu erzielen. So kann die Süßkirsche (botanisch: Prunus avium ssp. juliana) auf die Vogelkirsche (botanisch: Prunus avium ssp. avium) veredelt werden, die Birne (bot.: Pyrus) auf die Quitte (bot.: Cydonia oblonga), der Apfel (bot.: Malus domestica) jedoch nur auf Apfelunterlagen.

Warum veredeln?

Der Profi-Gärtner hat beim Veredeln vor allem das Ziel schneller tragende Obstgehölze zu erhalten. Charakteristische Eigenschaften wie der Geschmack, die Form der Früchte oder die Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Krankheiten werden nur selten über das Saatgut an die nachfolgende Generation weitergegeben.

Durch das Veredeln können bestimmte positive Eigenschaften der Veredelungspartner kombiniert werden. So kann man zum Beispiel eine reichtragende Sorte mit gutem Geschmack und starkem Wuchs auf eine Unterlage veredeln, die schwachwüchsig ist. Der Obstbaum eignet sich dann für kleinere Gärten und ist durch die geringere Endhöhe leichter abzuernten.

Auch zum Erhalt alter Sorten, deren Ertrag nicht mehr zufriedenstellend ist, kann die Veredelung angewendet werden. Sehr beeindruckend ist die Möglichkeit mehrere verwandte Sorten auf einen einzigen Baum zu veredeln. In unserem Onlineshop gibt es neben Obstbäumen mit einer Sorte auch Duo-Apfel- und Birnbäume die jeweils 2 Sorten an einem Baum vereinen. Vielfalt auf kleinem Raum!

Zubehör beim Veredeln

Wer veredeln möchte braucht nicht unbedingt Profiwerkzeug. Der Gärtner verwendet zum Schneiden der Reiser meist eine sogenanntes Kopulationsmesser, ein einseitig geschliffenes Messer mit leicht gebogener Klinge. Für den Hausgebrauch ist ein kleines scharfes Küchenmesser jedoch ausreichend. Alle Schnittwerkzeuge sollten vor dem Arbeitsbeginn und nach jedem Schnitt desinfiziert werden, um die Übertragung von Krankheiten vorzubeugen. Zum Fixieren der Veredelungsstelle werden im Fachhandel verschiedenste Verbandsmaterialien, wie PE-Streifen, spezielle Gummiveredelungsbänder und vieles mehr angeboten. Ein breites Küchengummi oder Bast erzielt den gleichen Effekt und ist meistens sowieso schon im Haushalt vorhanden. Jedoch erfordert das Fixieren der Veredelungsstelle, vor allem mit Bast, etwas mehr Fingerspitzengefühl, als mit den speziell dafür hergestellten Verbandsmaterialien. Zusätzlich können Wundverschlussmittel (z.B.: Veredelungswachs, Wundverschlusspaste oder Veredelungsfolie) zum Einsatz kommen. Für die Pfropfung ist die Verwendung solcher Mittel ratsam. Für manche Methoden sind eine Baum- oder Rosenschere und eine gute Handsäge mit glattem Schnitt notwendig.

Die Veredelungspartner – Unterlage und Edelreiser

Die Unterlage ist meist ein Sämling, also eine etwa kniehohe Jungpflanze, die aus einem Samen gezogen wurde, also generativ vermehrt wurde. Sie bildet später die Wurzel des veredelten Obstbaumes, sollte unverzweigt sein und den gleichen Durchmesser wie der Edelreiser haben. Durchmesser zwischen 0,7 cm und 1 cm haben sich durch gute Anwachserfolge bewährt. Außerdem sollte darauf geachtet werden nur gesundes Pflanzenmaterial zu vermehren. Krankheiten, durch Viren, Pilze oder Bakterien ausgelöst, werden beim Veredeln mit vermehrt. Oft und vor allem wenn bestimmte Eigenschaften gewünscht sind, werden auch vegetativ vermehrte Unterlagen verwendet. Diese werden aus der Stecklingsvermehrung gewonnen. In unserem Text „Das kleine Einmaleins der Stecklingszucht“ berichten wir, wie man Stecklinge richtig schneidet, vorbereitet und mit der richtigen Pflege zu kräftigen Pflanzen heranwachsen lässt.

Bei der Reiserveredelung werden Edelreiser verwendet, die später den oberen Teil des neuen Obstbaumes bilden. Viele Baumschulen bieten diese zum Verkauf an, auch kann es lohnend sein bei Obst- und Gartenbauvereinen nach Edelreisern zu fragen. Unterlagen kann man selbst aus Samen oder Steckhölzern ziehen, unter Obstbäumen ausgraben oder ebenfalls bei der Baumschule kaufen. Wer seinen persönlichen Lieblingsbaum vermehren möchte, stellt sich wohl diese Fragen:

Wann erntet man Edelreiser?

Für die Veredelung von Spätwinter bis Frühjahr (Kopulation und Rindenpfropfen) müssen die Edelreiser zwischen Dezember und Februar geschnitten und bis zur Veredelung kühl, bei zwischen 2 und 8° C und feucht gelagert werden. Durch diese Vorgehensweise verbleiben die Reiser in der Winterruhe. Sobald die Veredelung erfolgt ist und es wärmer wird, beginnen die Reiser auszutreiben. Gesteuert wird dieser Mechanismus durch steigende Temperaturen. Vor der Lagerung der Reiser sollte bei Veredelung verschiedener Sorten eine haltbare Beschriftung angebracht werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Traditionell werden die Reiser in Sand, Erde, Moos, Sägemehl oder Schnee eingeschlagen und in Erdgruben oder feuchten, kühlen Erdkellern gelagert. Die Lagerung in Plastikbeuteln im Gemüsefach des Kühlschrankes ist ebenfalls möglich. Gegen die Austrocknung hilft ein befeuchtetes, um die Schnittflächen geschlagenes Tuch. Um Schimmel zu vermeiden sollten die Reiser bei dieser Lagerungsart ab und zu gelüftet werden.

Sommerreiser für die Okulation müssen so schnell wie möglich auf die Unterlage veredelt werden und sollten nicht gelagert werden. Beim gegebenenfalls notwendigen Transport ist es wichtig die Reiser vor Austrocknung zu schützen. Ein feuchtes Tuch in einem dicht verschlossenen Plastikbeutel eignet sich hierzu am besten, eine Kühltasche verringert das Risiko zusätzlich. Die Sommerveredelung findet in Juli und August statt.

Wie sieht ein guter Edelreiser aus?

Der Edelreiser sollte ein gerader und kräftiger Trieb sein, also bleistiftdick und circa 30 cm lang, der im letzten Jahr gewachsen ist. Außerdem sollte er am besten in sonniger Lage, das heißt im äußeren Bereich der Baumkrone, gewachsen sein. Das untere und mittlere Drittel des Triebes verspricht die besten Anwachserfolge. Triebspitzen sind oft zu dünn, zu wenig ausgereift und besitzen in der Folge zu wenig Reservestoffe, die das Edelreis bis zum Verwachsen mit der Unterlage versorgen müssen. Ebenso wenig eignen sich verzweigte Triebe (sie sind meist älter als ein Jahr) oder Fruchttriebe mit Blütenknospen. Fruchttriebe produzieren Hormone, die das Blütenwachstum fördern und eine Verwachsung mit der Unterlage hemmen.

Für die Okulation müssen diesjährig, also im Frühjahr gewachsene Triebe verwendet werden. Statt eines ganzen Triebes wird nur eine Knospe auf die Unterlage übertragen. Die ausreichende Reife erkennt man leicht daran, dass die Spitze des Triebes beim Umknicken abbricht statt nur gequetscht zu werden. Blätter müssen zur Reduktion der Verdunstung entfernt werden. Der Blattstiel kann am Reiser verbleiben, da er wie ein praktischer kleiner Griff verwendet werden kann und man so weder Schnittfläche noch die empfindliche Knospe berühren muss.

Die geläufigsten Veredelungsmethoden

Zu den geläufigsten Veredelungsmethoden gehören die Reiserveredlung (Kopulation), die Augenveredelung (Okulation) und die Veredelung durch einfache Rindenpfropfung. Obstbäume, sowie auch Kirschen und Weinreben, werden häufig durch Kopulation veredelt. Rosen werden dagegen ausschließlich durch Okulation veredelt. Je nach Sorte des Obstgehölzes können aber auch weitere Veredelungsmethoden angewandt werden. Die Wahl der Veredelungsmethode hängt von der Stärke der Unterlage und der Jahreszeit ab. Wir stellen nun Schritt für Schritt die Veredelung durch Kopulation vor. Denn diese Methode verwenden unsere Gärtner auch bei der Veredlung unseres Lieblingsbaumes. Wer sich mit den zwei weiteren Veredelungsmethoden vertraut machen möchte, kann dies weiter unten im Text nachlesen.

Reiserveredelung oder Kopulation

Das wichtigste bei der Kopulation ist, dass Edelreis und Unterlage den gleichen Durchmesser haben, dieser sollte etwa bleistiftdick zwischen 0,7 und 1 cm sein. Für eine erfolgreiche Veredelung ist es unerlässlich, dass die Kambien der Veredelungspartner direkten Kontakt haben. Das Kambium oder auch Wachstumsschicht genannt, ist die Schicht zwischen der Rinde und dem Holzteil eines Triebes und an der sich unterscheidenden Farbe zu erkennen. Direkt neben dem Kambium befinden sich die Leitungsbahnen der Pflanze, die für den Transport von Wasser und Nährstoffen zuständig sind. Sind diese Schichten an der Veredelungsstelle nicht ausreichend gut verbunden, fehlt dem Edelreiser die Wasserversorgung - er trocknet aus und stirbt ab. Die optimale Anzahl von Knospen am Edelreis ist von der Unterlage abhängig. Starkwüchsige Unterlagen sollten mit Reisern mit vier oder mehr Augen veredelt werden. Für schwachwüchsige Unterlagen sind zwei bis drei Augen ausreichend.

Vorgehensweise: (für Rechtshänder, Linkshänder gehen wieder spiegelverkehrt vor)

  1. Der Kopulationsschnitt

Den Edelreiser in die linke Hand nehmen, die Triebspitze zeigt vom Bauch weg. Das vorher desinfizierte Messer wird nun mit der rechten Hand in einem flachen Winkel (etwa 25°) angesetzt. Mit einer durchgehenden Bewegung wird nun ein möglichst glatter Schnitt gemacht. Der Schnitt sollte etwa zwei bis dreimal so lang wie breit sein.

Die Unterlage wird mit dem gleichen Schnitt versehen. Wachstumsfördernd wirkt sich eine am Reis und auch an der Unterlage gelegene Knospe aus, die sich etwa mittig gegenüber vom Schnitt befinden sollte.

Um das Veredelungsmaterial nicht zu verschneiden, lohnt es sich diese Schnitttechnik vorher mit Trieben ähnlicher Dicke zu üben. Dabei ist es egal welche Gehölzart es ist. Wichtig ist, dass die Schnitte gleichmäßig sind und die Kambien beim Zusammenfügen möglichst aufeinander liegen und keine Überstände entstehen. Wenn man 2 Schnitte gemacht hat kann man sich gut selbst kontrollieren, indem man die Schnitte zusammenhält. Sind keine Lücken zu sehen und die beiden Veredelungspartner ergeben eine gerade Linie hat man es gut gemacht.

  1. Das Verbinden

Als nächstes wird die Veredelung mithilfe eines Gummis oder spezieller Veredelungsfolie verbunden. Die Bindung sollte straff sitzen aber nicht einschneiden und über die gesamte Länge der Veredelung gehen. Knospen sollten wie immer ausgespart werden.

  1. Das Verstreichen (optional)

Ist die Bindung stabil kann nun die Veredelungsstelle mit Veredelungspaste oder Wundverschlussmittel verstrichen werden. Es ist keine Notwendigkeit, jedoch werden die Schnittstellen dadurch vor eindringendem Wasser, Bakterien, Viren, Pilzen und Austrocknung geschützt.

  1. Einkürzen des Edelreises

Um eine Verzweigung des zukünftigen Baumes zu fördern wird nun noch die Spitze des Edelreises gekürzt. Das Edelreis sollte zwei bis vier Augen haben. Der Schnitt sollte im 45°-Winkel erfolgen, damit Regenwasser problemlos abfließen kann. Auch hier ist das Verstreichen mit Veredelungspaste von Vorteil.

Veredelte Bäume aufpflanzen

Beim Gärtner gekaufte Unterlagen werden im Normalfall wurzelnackt, also ohne Topf oder Ballen geliefert. Sind an den Wurzeln frische Schnitte zu erkennen wurde die Wurzel schon fachgerecht beschnitten. Falls nicht sollte dies noch erledigt werden. Einfach alle Wurzeln um maximal ein Drittel zurückschneiden, lieber zu wenig als zu viel. Dieses Verfahren regt die Verzweigung und Neubildung der Wurzeln an und verbessert somit die Wasser und Nährstoffaufnahme des Baumes, was sich wiederum positiv auf die Qualität der Früchte auswirkt. Das Pflanzloch ist mindestens doppelt so breit und tief wie das Wurzelvolumen auszuheben und kann vor dem Pflanzen des Bäumchens einmal mit Wasser gefüllt werden. Die Erde kann, sollte sie sandig sein, mit Kompost oder normaler Blumenerde verbessert werden. Bei lehmigem Boden verbessert man durch das Mischen mit Sand.

Sehr wichtig ist, dass das Bäumchen nicht zu tief ins Pflanzloch gesetzt wird. Wurde ganz unten am Stamm veredelt besteht sonst die Gefahr, dass die Edelsorte eigene Wurzeln bildet und so die positiven Eigenschaften der Unterlage verloren gehen. Meistens erkennt man recht gut an der Rinde wo sich, bevor die Unterlage ausgegraben wurde, die Erde befand und welcher Teil des Stammes oberirdisch war. Genau so sollte auch jetzt wieder gepflanzt werden. Nun füllt man, möglichst ohne die Wurzeln dabei zu verbiegen, die Erde auf. Diese muss vorsichtig etwas festgetreten werden. Danach nochmal großzügig angießen und fertig. Im ersten und zweiten Jahr nach der Pflanzung sollte an heißen Tagen oder während anhaltender Trockenperioden unbedingt gegossen werden. Regelmäßige Wasser und Düngergaben steigern den Ertrag jedoch bei jedem Obstgehölz, egal wie lange es schon gepflanzt ist.

Veredeln leicht gemacht

Wem das selbst Veredeln zu aufwendig ist kann es sich jetzt bequem machen, denn unsere Gärtner vermehren ganz unkompliziert den Lieblingsbaum, der in Omas Garten steht. Auch der alte Kirschbaum mit den weltbesten Kirschen, der kaum noch blüht kann wieder zum Leben erweckt werden.

In unserem Shop kann zwischen dem 15. Dezember und 15. Februar die Lieblingsbaum-Box bestellt werden. Geliefert werden dann eine ausführliche Beschreibung, wie die Edelreiser geschnitten werden sollen, ein frankierter Rückumschlag und ein Fragebogen. In diesem Fragebogen werden Angaben zum Mutterbaum und der gewünschten Form und Höhe des neuen Obstbaumes gemacht. Fragebogen und die geernteten Reiser werden dann im Rückumschlag an unsere erfahrenen Gärtner gesendet. In der Gärtnerei angekommen werden die Triebe des Lieblingsbaumes dann direkt vom Profi mittels Kopulation auf die passende Unterlage veredelt. Im darauffolgenden August kann der Lieblingsbaum dann im eigenen Garten gepflanzt werden.

Das junge Bäumchen ist in besten Händen. Wir arbeiten mit Deutschlands ältester Baumschule zusammen und setzen dabei auf einen großen Erfahrungsschatz. Seit mehr als 290 Jahren steht diese Baumschule für Qualität bei Obstbäumen, Ziergehölzen und anderen Pflanzen.

Mit diesen Informationen und der Begeisterung für Pflanzen wünschen wir von 1001Plants viel Spaß und vor allem Erfolg bei der Veredelung. Für alle, die diese Leidenschaft nicht teilen, aber trotzdem nicht auf lebendige Farben und eine Vielfalt ihres Balkons oder Gartens verzichten wollen, empfehlen wir den Besuch unseres Online-Shops, der mit einer schönen Auswahl Lust auf mehr macht.

Weitere Veredelungsmethoden

Augenveredelung oder Okulation

Von Juli bis August kann okuliert werden, zu dieser Jahreszeit löst sich die Rinde gut vom Holzteil der Unterlage und die Edelreiser sind gut ausgereift. Da bei der Okulation nur eine Knospe (= Auge) benötigt wird statt einem ganzen Trieb ist die Okulation deutlich effizienter als die Reiserveredelung und daher die am häufigsten eingesetzte Veredelungsmethode. Durch die Ernte der Reiser direkt vor der Veredelung entfällt die Lagerung.

Vorgehensweise: (für Rechtshänder, Linkshänder gehen spiegelverkehrt vor)

  1. Schneiden des Edelauges

Den Reiser mit der Spitze zum Körper in die linke Hand nehmen. Mit dem Messer 1-2 cm unterhalb des Auges ansetzen und mit einem Schnitt 2-3 cm oberhalb des Auges enden. Es sollte ein „Schildchen“ aus Rinde und einem kleinen Teil Holz des Edelreisers entstehen. Der Holzteil ist leicht an der helleren Färbung zu erkennen. Um die Verunreinigung der Schnittstelle zu vermeiden sollte diese nicht mit den Fingern berührt werden und alle Schnittwerkzeuge nach jedem Schnitt desinfiziert werden.

  1. Der T-Schnitt

In die Rinde der Unterlage wird jetzt ein circa 1 cm langer Schnitt quer zur Wuchsrichtung gesetzt, ohne dabei ins Holz zu schneiden. Anschließend folgt ein weiterer Längsschnitt mittig unterhalb des ersten Schnittes. Mit der Klinge werden die Rindenflügel leicht vom Holz gelöst.

  1. Einschieben des Edelauges in den T-Schnitt

Das in Schritt 1 abgetrennte Edelauge wird nun vorsichtig von oben so weit in die Rindenflügel eingeschoben bis es ungefähr in der Mitte des Längsschnitts herausragt. Der über den Querschnitt herausragende Teil des Schildchens kann abgeschnitten werden, da dieser Teil ohnehin vertrocknen würde.

  1. Verbinden

Mit Bast oder Gummibändern wird nun die „Okulationsstelle“ fixiert. Die Knospe ist hierbei auszusparen. Wichtig ist, dass das „Schildchen“ an der Schnittfläche möglichst ohne Luft dazwischen auf dem Holz der Unterlage aufliegt. Nach einigen Wochen müssen die Verbände aufgeschnitten werden um Einschnürungen zu verhindern.

  1. Im nächsten Frühjahr

Die Unterlage sollte nun circa 5 cm oberhalb der Veredelungsstelle abgeschnitten werden, dies fördert den Austrieb der veredelten Knospe. Sobald sich der Edeltrieb gut entwickelt hat können auch die restlichen 5 cm direkt über dem Edeltrieb abgeschnitten werden. Alle Triebe der Unterlage, die nicht veredelt wurden, müssen regelmäßig entfernt werden.

Die Schritte 1 bis 4 erfordern ein wenig Übung, deshalb sollten diese, bevor sich an das eigentliche Veredelungsmaterial getraut wird, ein paar Mal an eventuell zu viel geernteten Reisern oder Trieben anderer Gehölze mit ähnlichem Durchmesser geübt werden.

Veredeln durch einfache Rindenpfropfung

Wie bei der Kopulation befindet sich das Edelreis auch bei der Rindenpfropfung in der Ruhephase und hat einen Durchmesser von 0,7 bis 1 cm. Das Edelreis wird mit einem Kopulationsschnitt zugeschnitten und unter die Rinde von dickeren Ästen oder schon älteren Unterlagen geschoben. Die Rinde muss hierfür gut vom Holz lösbar sein, weshalb die Pfropfung von April bis Mai erfolgen sollte, wenn es ausreichend Regen gibt – die Bäume „im Saft stehen“. Drei oder mehr gut entwickelte Augen sind gut. Es gibt verschiedene Arten der Rindenpfropfung, die alle nach dem gleichen Prinzip erfolgen. Grundlage für dieses Prinzip ist die einfache Rindenpfropfung, die wir im Folgenden schrittweise erklären:

  1. Vorbereitung der Unterlage

Der ausgewählte Ast oder Stamm, der an der Veredelungsstelle gerade gewachsen sein sollte wird senkrecht zur Längsachse abgesägt. Ist der Schnitt nicht sauber kann mit einem scharfen, desinfizierten Messer nachgeschnitten werden. Um ein Ausreißen Rinde auf der Unterseite des Astes zu vermeiden sägt man den Ast von unten ein bisschen an bevor von oben losgesägt wird. Der so entstandene Stumpf wird oft auch als Pfropfkopf bezeichnet.

  1. Der Schnitt am Edelreis

Am Edelreis wird der gleiche Schnitt mit einem 25° Winkel zur Längsachse gemacht. Allerdings sollte sich das Auge gegenüber der Schnittfläche diesmal am oberen Ende der Schnittfläche befinden.

Bei den anderen Pfropfungsarten werden hier noch verschiedene weitere Schnitte gemacht.

  1. Schnitt in die Rinde der Unterlage

An der abgesägten Stelle wird ein senkrechter Schnitt in die Rinde gemacht, das erfordert bei dickeren Ästen mit dickerer Rinde ein bisschen Kraft, aber auch viel Feingefühl. Der Schnitt sollte circa 3 – 4 cm lang sein. Das Kambium, also die Wachstumsschicht liegt direkt zwischen Rinde und Holz und darf nicht verletzt werden. Die so entstandenen Rindenflügel werden leicht vom Holz gelöst. Auch hier unterscheiden sich die Varianten etwas. Mal wird nur ein Rindenflügel gelöst, mal wird statt der beiden Flügel eine „Rindenzunge“ geschnitten.

  1. Einschieben des Edelreises in die Rinde

Das Edelreis wird zwischen die Rindenflügel geschoben, sodass vom Kopulationsschnitt noch zwei bis drei Millimeter zu sehen sind. Dadurch wächst die Veredelung besser zu.

  1. Das Verbinden

Die Veredelungsstelle wird anschließend wieder straff verbunden ohne einzuschneiden. Die Knospe wird wieder ausgespart.

  1. Edelreis einkürzen

Drei oder mehr gut entwickelte Augen müssen beim Einkürzen stehen bleiben und der Winkel des Schnittes so gewählt sein, dass Regenwasser problemlos ablaufen kann.

  1. Das Verstreichen

Bei dieser Veredelungsart ist das Verstreichen mit Veredelungspaste oder ähnlichen Produkten wichtiger, da größere Schnittflächen entstehen. Den Edelreis wieder in einem Winkel abschneiden, der es Regenwasser erlaubt problemlos abzulaufen.

Bei größeren Pfropfköpfen ab einem Durchmesser von 3 cm können auch mehrere Reiser veredelt werden. Diese sollten dann einen Abstand von 3-5 cm zueinander haben. Dazu werden die Schritte 2-4 einfach wiederholt. Die zusätzlichen Reiser verhindern, dass die Unterlage stellenweise abstirbt.


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